Von Machtdifferenzen, Freiheit und Mindestlohn

1. Wenn wir in einer Welt leben würden, in der relative Chancengleichheit besteht, so wäre der Ansatz – niedrige Steuern, wer nicht arbeitet soll auch nicht essen, etc. – der richtige. Diese Chancengleichheit ist aber zunehmend nicht mehr gegeben, denn Großunternehmen dominieren zunehmen die Wirtschaftslandschaft und können aufgrund ihres Machtpotentials nicht nur andere kleinere Wettbewerber mit unterschiedlichsten Strategien ausschalten, sondern auch den Arbeitnehmern zunehmend ihre Bedingungen aufdrängen.

2. Eine liberale Grundidee ist Freiheit von Zwang. Traditionell haben sich Liberale immer gegen einen starken bzw. totalen Staat gewehrt, weil ein solcher Lebenswünsche der Individuen ignorieren kann und der Einzelne ihm im Zweifelsfall hilflos ausgesetzt wäre. Im Zuge dieses wichtigen Gedankens ist dann immer die Wichtigkeit der Marktwirtschaft betont wurden, wobei sich hier leider die Interessen von überzeugten Liberalen und auf Machterhaltung erpichte bürgerliche Schichten oft vermischten, wobei das eigentlich wichtige Kriterium vergessen wurde. Denn Märkte sind nur dann wichtig für das liberale Anliegen, wenn sie die Wahlfreiheit und die Verwirklichungschancen der Individuen erhöhen.

3. Dies ist der Fall, solange eben z.B. auf den Arbeitsmärkten Wahlfreiheit existiert, weil die Unternehmenslandschaft aus vielen, untereinander um die besten Mitarbeiter buhlenden Firmen besteht. Was geschieht aber, wenn die großen Organisationen ein Machtpotential aufbauen, dass jenes mancher Staaten sogar noch übertrifft, sie sich also immer weniger um die Belange der Menschen kümmern müssen?

4. Die Antwort kennen wir. Es werden schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne durchgesetzt, Politiker manipoliert, etc. Organisationen, die Freiheit garantieren sollen, bescheiden sie, die Belange der Menschen missachtend. Konkret heisst das, wie aus einer EU-Studie hervorgeht, die Arbeitsstress als häufigsten Grund für Krankmeldungen ausmacht, dass „unsichere Arbeitsverhältnisse, hoher Termindruck, unflexible und lange Arbeitszeiten, Mobbing und nicht zuletzt die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie“ die Lebensqualität der Menschen stark beeinträchtigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,533007,00.html

5. Deshalb sollten neue freiheitsfördernde Ansätze versuchen, eben neue Frei- und Rückzugsräume zu schaffen, um den Druck auf die Individuen zu verringern. Und dazu kann der Staat als Regulator (wenn er nicht von den großen Interessengruppen unterwandert wird…) einen wichtigen regulativen Beitrag leisten, indem er sich gegen die Dominanz der großen Organisationen stellt.

6. Und eine dieser extern zu definierenden Koordinaten könnte eben ein Mindestlohn sein, aber auch andere, nichtmonetäre Maßnahmen sind denkbar, wie z.B. die Einhaltung von Pausen und Urlaubsphasen, die Beschränkung von überzogener Werbung, etc. Denn die Kosten von kranken, falsch ernährten, beziehungsgeschädigten und überarbeiteten Menschen muss nämlich die ganze Gesellschaft tragen, ebenso wie die Kosten zur Integration vernachlässigter Kinder, wobei prügelnde Rechtsradikale nur die Spitze des Eisbergs sind.

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3 Kommentare - “Von Machtdifferenzen, Freiheit und Mindestlohn”

  1. Karl Says:

    Eine hervorragende Beschreibung der aktuellen Lage. Allerdings sehe ich nicht, daß dazu unbedingt neue Ansätze notwendig sind.

    Notwendig ist vielmehr eine konsequente Umsetzung neoliberaler Ansätze, die inzwischen schon bald 100 Jahre alt sind. Dabei meine ich mit neoliberal sicher nicht die linke Kampfparole, sondern die ursprüngliche Bedeutung des Wortes.

    Im September 1932 umriss Alexander Rüstow auf einer Tagung des Vereins für Socialpolitik das neue liberale Credo: „Der neue Liberalismus jedenfalls, der heute vertretbar ist, und den ich mit meinen Freunden vertrete, fordert einen starken Staat, einen Staat oberhalb der Wirtschaft, oberhalb der Interessenten, da, wo er hingehört. Und mit diesem Bekenntnis zum starken Staat im Interesse liberaler Wirtschaftspolitik und zu liberaler Wirtschaftspolitik im Interesse eines starken Staates – denn das bedingt sich gegenseitig, mit diesem Bekenntnis lassen Sie mich schließen.“

    Aus Wikipedia

    Hier noch ein Interview mit diesem außerordentlich klugen Kopf:
    http://www.trend-zeitschrift.de/trend100/10008.html


  2. So ein Unsinn! Der Staat macht die Armen arm, weil die Reichen sich von ihrer sozialen Verantwortung verabschiedet haben und deutschen Arbeitnehmern die Pistole mit Sprüchen wie „3,50 Euro / h oder wir gehen nach China!“ auf die Brust setzen. Dieses üblich neoliberale, staatsfeindliche Geschwafel ist ebenso falsch wie altbacken. Extremes Beispiel: Welche Polizei sollte sonst Leute wie Dich, lydia4krasnic, retten, wenn ein paar Leute meinen, Spass an Deiner Vergewaltigung haben zu wollen? Und so wie Du aus einer Vergewaltigungssituation heraus gerettet werden will, so haben alle Menschen den Wunsch, in existenziell bedrohlichen Situationen abgesichert zu sein. Vielleicht solltest Du mal Deinen Kopf für mehr als die Frisur benutzen?


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