Erinnerungen an Genua

Auf das Treffen der G8 in Genua im Jahr 2001 war ganz Italien gespannt. In vielen Orten diskutierten die Menschen über die Probleme der Globalisierung und die anzustrebenden Veränderungen. Damals war z.B. das Buch „No Logo“ von Naomi Klein in aller Munde.

Der Tenor des Widerspruchs war friedlich, auch wenn etwas Unheimliches in der Luft lag. Viele wollten nach Genua pilgern, manche sogar barfuß und ganz in weiß gekleidet.

In Genua geschah dann dass, was wir alle wissen. Zu den friedlichen Demonstranten gesellten sich wenige hundert vom „Black Bloc“ und lieferten sich heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Die italienische Polizei reagierte äußerst heftig und bei den Auseinandersetzungen kam der Italiener Carlo Giuliani zu Tode.

Das problematische an der Sache war, dass die italienische Gesellschaft nicht die regelmäßigen Konflikte zwischen den Autonomen und der Polizei kennt, wie das für Deutschland üblich ist. Es schien, als ob diese extra aus Nordeuropa angereist waren.

Später kursierten dann ähnliche Gerüchte wie heute, die vermuteten, dass sie extra von der Polizei, bzw. von G8-Sympathisanten angeheuert worden waren, um die friedlichen Proteste zu delegitimieren.

Über Gerüchte kann man bekanntlich ewig spekulieren – Fakt ist, dass Berlusconi in den Medien versucht hat, die Sache für sich auszuschlachten, was zum Teil sehr groteske Züge annahm und auch dem Letzten klar machte, wie groß sein Einfluß auf die italienischen Medien ist.

Zurück blieb ein ohnehin sehr skeptisches Volk, denn man hatte ja von sehr vielen Bekannten gehört, wie die Dinge wirklich abgelaufen waren.

Irgendwie habe ich dass Gefühl, dass etwas ähnliches in Deutschland im Gange ist. Denn auch in unserer Gesellschaft wird die Berichterstattung zunehmend einseitiger. Und dabei ist es völlig egal, ob die Autonomen nun eigenmächtig den Konflikt mit der Polizei herbeiführen, oder ob unter Ihnen jemand für die Krawalle bezahlt wird.

Es bleibt das Gefühl, dass die Show wichtig gemacht wird, um die mehr als wichtigen Anliegen der Demonstrierenden (vgl. Joseph Stiglitz „Die Chancen der Globalisierung„), in den Hintergrund zu drängen.

2001 haben noch viele Journalisten leicht abfällig über die Zustände in Italien berichtet. Ich frage mich nur ob wir 2007 etwas viel besseres erleben werden.

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3 Kommentare - “Erinnerungen an Genua”

  1. Sundancer Says:

    ja stimmt und
    wie sich Massenbewegungen entwickeln ist immer unabsehbar. Oft ist eben viel
    Emotionalität und Unübersichtlickeit dabei. Aber das „Primäre“ gerät dann leider in den Hintergrund. Bis am Ende jeder für sich behauptet recht gehabt zu haben.


  2. Absolut. Die Entwicklung in Deutschland ist ebenso beängstigend wie beunurhigend.

  3. Skeptiker Says:

    Natürlich haben die gewlttätigen Proteste den Anliegen der Globalisierungskritiker geschadet. Allerdings muß man auch sagen, daß vielen Globalisierungsgegnern politisches Hintergrundwissen fehlt und sie oftmals nur mitmachen, weil der Protest gegen die Globalisierung „modern“ ist.


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