Ökonomie und Ethik

Michael Gerhard Kraft hat eine Dissertation verfasst, in welcher das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ethik untersucht wird. Nach zweihundertfünzig Seiten, in welchen er wichtige ökonomische Theoretiker Revue passieren läßt, kommt er schließlich zu dem Schluss, „dass die ökonomische Wissenschaft aufgrund ihrer Natur dem Kriterium des Falsifikationismus und einer positivistischen Wissenschaft nicht gerecht werden kann und ihre wissenschaftliche Entwicklung nicht eine kontinuierliche im Sinne des wissenschaftlichen Fortschritts darstellte. Somit kann in der historischen Formation mit der Wertfreiheitskritik einhergehend in der Suche nach einer den Naturwissenschaften analogen Objektivität eine Eingrenzung der reinen Theorie sowie einer daraus resultierenden wandelnden Methodologie beobachtet werden. Der Versuch eine rein objektiv definierte Sphäre der Ökonomie herauszulösen blieb letztlich erfolglos. Denn jegliche sozialwissenschaftliche Auffassung ist von Werturteilen durchzogen und eine naturwissenschaftliche Methodologie stößt in der ökonomischen Wissenschaft an ihre Grenzen, da Werturteile nicht aus der Wissenschaft eliminiert sondern lediglich verdeckt wurden und man versuchte, die Wahl auf ethischer Ebene mittels wissenschaftlicher Ergebnisse zu determinieren.“

Anders ausgedrückt hat sich die neoklassiche Ökonomie in den letzten 50 Jahren mit der Perfektionierung eines mechanistischen Ansatzes beschäftigt, der ethische Fragestellungen und menschliche Besonderheiten und Unterschiede, wenn überhaupt, nur sehr oberflächlich thematisiert. Mit einem solchen weltfremden Ansatz lassen sich natürlich viele der heute, drängenden Probleme gar nicht vernünftig diskutieren – sei es nun in Bezug auf Verteilungsgerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Umweltprobleme, usw.

Hinzu kommt inhaltlicher Stillstand. Wie Paul Krugman konstatiert, hat es in der Makroökonomie nach Keynes trotz tausender, hochtechnischer Dissertationen kaum neue Erkenntnisse gegeben, die die Politikberatung effizienter und erfolgreicher gemacht haben.

Und das liegt wohl an der unzureichenden Grundkonzeption. Und hierin liegt eine große Herausforderung. Wenn die Ökonomie wieder aussagekräftig werden will, muss sie zuerst ihr Menschenbild überdenken. Erst dann werden wieder fruchtbare ethische Diskussionen zustande kommen können.

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One Comment - “Ökonomie und Ethik”


  1. […] Menschenbild ist zu simpel und liefert, wie schon im Post Ökonomie und Ethik betont, keinen Ansatzpunkt, um die Unterschiede zwischen den Menschen zu […]


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